Wohl kaum eine Branche ist derart stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen wie die Gastronomie und Hotellerie. Weltweit mussten sich Betriebe einer Reihe von noch nie dagewesenen Herausforderungen stellen, die aufgrund der andauernden Corona-Ma├čnahmen weiterhin bestehen bleiben. Was folgte war die Entwicklung neuer, kreativer Konzepte, die dabei unterst├╝tzen sollten, diese schwierige und ungewisse Zeit einigerma├čen zu ├╝berbr├╝cken. So habe ich beispielsweise bereits in einem fr├╝heren Utopia Gastronomica Artikel von einem solchen Konzept berichtet: den Ghost Kitchen.

Viele allerdings konnten die Corona-Krise nicht ├╝berwinden und mussten ihre Betriebe schlie├čen. Aufgrund der geringen Einnahmen hatten sie Schwierigkeiten, die Kosten f├╝r Miete, Hypothekenzahlungen oder Versicherungen aufzubringen.

Investoren haben hingegen die Corona-Krise zu ihrem eigenen Vorteil genutzt. Sie sehen jetzt den richtigen Zeitpunkt daf├╝r, um in Hotels oder Restaurants zu investieren. Vor allem in der Hotellerie konnte beobachtet werden, dass auch in Zeiten von einer globalen Pandemie Investitionen get├Ątigt wurden.

Das bringt mich auch schon zum Thema meines neuen Utopia Gastronomica Artikels. Denn dieses Mal geht es um die Zukunft von Investitionen f├╝r Hotellerie und Gastronomie. Mein Fokus liegt dabei auf den folgenden Punkten:

  • Wie sieht der europ├Ąische Hotelinvestitionsmarkt in Zeiten von Corona aus?
  • Was bringt die Zukunft f├╝r Hotelinvestitionen? Sind Investoren trotz der Corona-Krise optimistisch?
  • Stellen Restaurants ebenfalls einen interessanten Markt f├╝r Investoren dar?

├ťberblick ├╝ber Hotelinvestitionen in Europa

Trotz der unsicheren und herausfordernden Zeiten, die die Corona-Krise mit sich gebracht hat, l├Ąsst sich ein positives Bild in Bezug auf Hotelinvestitionen in Europa abzeichnen. So ist der europ├Ąische Hotelinvestitionsmarkt im vergangenen Jahr aktiv geblieben. Zu dieser Erkenntnis kommt Cushman & Wakefield, ein US-amerikanisches Beratungsunternehmen in Sachen Gewerbeimmobilien, in seinem Bericht ÔÇ×Marketbeat: Europe Hospitality H1 2020ÔÇť. Das Unternehmen gibt darin einen ├ťberblick ├╝ber den europ├Ąischen Hotelinvestitionsmarkt des ersten Halbjahres 2020. Aus dem Bericht geht hervor, dass der Hotelmarkt in Europa Transaktionen in H├Âhe von insgesamt 5,7 Milliarden Euro, verteilt auf 169 Immobilien, verzeichnet hat. 22 Prozent der Deals wurden nach dem Ausbruch der Pandemie abgeschlossen, was ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro darstellt.

5,7 Milliarden ÔéČ

an Transaktionsvolumen wurden im 1. Halbjahr von 2020 verzeichnet.

169

Immobilien waren in diesen Transaktionen inkludiert.

22 %

der Transaktionen wurden nach dem Ausbruch der Pandemie abgeschlossen.

Interessant finde ich auch die Ergebnisse dazu, wie sich das Transaktionsvolumen auf die einzelnen L├Ąnder Europas verteilt hat. Das Vereinigte K├Ânigreich und Deutschland konnten ihre Position als aktive und stabile Hotelm├Ąrkte in ganz Europa beibehalten. Und das trotz eines R├╝ckgangs des Transaktionsvolumens um 55 bzw. 42 Prozent. Zu den gro├čen Gewinnern z├Ąhlten aber auch Spanien und Griechenland. Vor allem letzteres konnte einen bemerkenswerten Anstieg an Investitionen in Hotelanlagen und Resorts verzeichnen. Die dabei get├Ątigten Deals wurden nach Beginn der Pandemie vereinbart und zeigen die steigende Beliebtheit von Resorts bei Investoren. Dies wurde durch die positiv langfristigen Wachstumsaussichten von Freizeitreisen beg├╝nstigt sowie durch die erwartete schnellere Erholung dieses Sektors im Vergleich zu Gesch├Ąftsreisen angetrieben.

Das Reiseerlebnis von morgen

Doch nicht nur in Europa stellten Investitionen in Hotelanlagen und Resorts w├Ąhrend der Corona-Krise eine beliebte Anlage dar. Auch weltweit entwickelte sich das Investieren in diesem Segment zu einem attraktiven Trend, der durch den Ausbruch der Pandemie beschleunigt wurde. Dies liegt daran, dass sich die Hotelnachfrage sowie die Pr├Ąferenzen der Reisenden stark ver├Ąndert haben. St├Ądtische, dicht besiedelte M├Ąrkte haben dabei an Attraktivit├Ąt verloren, w├Ąhrend Resorts und Freizeitanlagen in d├╝nn besiedelten M├Ąrkten bevorzugt werden. Investoren haben auf diesen Wandel reagiert und ihre Anlagestrategien angepasst. Tats├Ąchlich sind 21 Prozent der globalen Hotelinvestitionen im vergangenen Jahr auf Resorts entfallen. Dies stellt einen doppelt so hohen Anteil dar als im Jahr 2019.

Neues Reiseerlebnis in Hotels

F├╝r Hotelbetreiber bedeutet diese sich ver├Ąndernde Nachfragedynamik ebenfalls ihr Angebot anzupassen und dadurch das Reiseerlebnis neu zu definieren. Es geht darum, die Bed├╝rfnisse von Reisenden besser zu erf├╝llen. In Zeiten von Corona bedeutet das, die Sicherheit der G├Ąste zu gew├Ąhrleisten. Besonders das Thema Hygiene steht f├╝r viele an erster Stelle, wie eine weltweit durchgef├╝hrte Studie dazu zeigt. Neben Hygienema├čnahmen und Zugang zu Desinfektionsmittel sind ein kontaktloser Check-in und Check-out sowie die Einhaltung von Abstandsregeln wesentliche Faktoren, die das Reiserlebnis beg├╝nstigen werden.


Investitionspl├Ąne f├╝r die Zukunft

Wie ich gerade schon erkl├Ąrt habe, wird sich das Reiseerlebnis von morgen aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise grundlegend ver├Ąndern. Auch die Art und Weise, wie Investitionen get├Ątigt werden und wie Investoren damit umgehen, wird sich ├Ąndern und an die neuen Gegebenheiten anpassen m├╝ssen. Diesbez├╝glich hat das Beratungsunternehmen JLL Hotels & Hospitality Group seinen Bericht ÔÇ×Hotel Investment Outlook 2021ÔÇť ver├Âffentlicht, in dem ein globaler Ausblick auf die Hotellerie-Branche sowie Trends f├╝r dieses Jahr gegeben werden.

So ist das Unternehmen zuversichtlich, dass sich die Beherbergungsbranche weltweit im Jahr 2021 erholen wird. Und das, obwohl das globale Transaktionsvolumen von Hotelinvestitionen am Ende des vergangenen Jahres mehr als 60 Prozent unter dem Niveau von 2019 lag. Einen Trend, den JLL im Jahr 2020 beobachten konnte, war die hohe Bedeutung von Private Equity und von institutionellen Investoren f├╝r den Hotelmarkt. Denn diese waren f├╝r 54 Prozent der gesamten Hoteltransaktionen im vergangenen Jahr verantwortlich. Sie haben die Liquidit├Ąt vorangetrieben und werden wahrscheinlich auch in diesem Jahr am Investmentmarkt aktiv bleiben. JLL geht davon aus, dass im Jahr 2021 das globale Hotelinvestitionsvolumen um 35 bis 40 Prozent steigen wird gegen├╝ber dem Niveau von 2020.

Gro├čes Investitionsprojekt aus ├ľsterreich

Investitionen in Hotels werden teilweise schon f├╝r die Zukunft geplant, wie man an einem Beispiel aus ├ľsterreich erkennen kann. F├╝r Daniel Jelitzka, Gr├╝nder und Gesch├Ąftsf├╝hrer der Wiener JP Immobiliengruppe, bietet die Corona-Krise eine Gelegenheit, um in neue Projekte zu investieren. So plant er zurzeit den JP Hospitality Lifestyle & Leisure Investors Club zu gr├╝nden, um gemeinsam mit privaten Co-Investoren das Projekt voranzutreiben. Insgesamt werden 70 Millionen Euro von Investoren ben├Âtigt, mit denen eine Gesamtinvestition von 300 Millionen Euro abgebildet werden sollen. Diese soll auf sechs bis zw├Âlf Hotels in ganz Europa verteilt werden, vorwiegend in urbanen Gegenden und in der Leisure-Hotellerie. Der Plan ist es, bei bestehenden Hotels ein Redesign, Rebranding und Refurbishment vorzunehmen.

Der richtige Zeitpunkt f├╝r Hotelinvestitionen

Das Beratungsunternehmen JLL blickt allerdings nicht nur der Entwicklung von der globalen Beherbergungsbranche positiv entgegen. So erwartet das Unternehmen ebenfalls, dass Hotels zu jenen Gewerbeimmobilien geh├Âren, die sich von der Corona-Krise am schnellsten erholen werden. Dementsprechend werden Investoren, die jetzt in den Hotelmarkt einsteigen, am besten aufgestellt sein, um davon zu profitieren.

Ein weiterer Faktor, der dazu beitr├Ągt, sind die aktuell niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Dies stellt f├╝r Investoren einen Anreiz dar, um etwa Kredite aufzunehmen und Investitionen zu t├Ątigen. Denn durch den derzeitigen Niedrigzins k├Ânnen Investoren von g├╝nstigen und attraktiven Konditionen profitieren.

Hotelinvestitionen w├Ąhrend Corona-Krise

Die Lage der Restaurants

Im Laufe dieses Artikels wurde nun vor allem gezeigt, wie der Investitionsmarkt in Bezug auf die Hotellerie-Branche aussieht. Ebenfalls interessant finde ich die Entwicklung in der Gastronomie und welche Chancen sich f├╝r Investoren in dieser Branche ergeben haben. Wie in der Hotellerie-Branche, haben auch viele Restaurants mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu k├Ąmpfen. Die Kosten f├╝r die Miete und Hypothekenzahlungen k├Ânnen bei manchen fr├╝her oder sp├Ąter nicht mehr aufgebracht werden. Die Folge sind geschlossene, leerstehende Betriebe.

Die Schlie├čungen locken gro├če Restaurantketten an, die nun die leerstehenden Grundst├╝cke und Gesch├Ąftslokale erwerben wollen. Viele sehen in den geschlossenen Betrieben eine gro├če Chance, um weiter zu wachsen. Sie nutzen dies f├╝r die eigene Erweiterung in Form von Investitionen. So h├Ąlt etwa Randy Guretti, CEO von der US-amerikanischen Burgerkette Shake Shack, die derzeitige Situation f├╝r den richtigen Zeitpunkt, um am Restaurantmarkt aktiv zu sein und nach Investitionsm├Âglichkeiten Ausschau zu halten.

Die Kluft zwischen den Gro├čen und Kleinen

Es scheint also, als ob die gro├čen Ketten immer gr├Â├čer werden und wachsen, w├Ąhrend die kleinen, unabh├Ąngigen Restaurants immer weiter schrumpfen. In der Regel haben gr├Â├čere Betriebe den Vorteil von mehr Kapital, mehr R├Ąumlichkeiten sowie mehr Erfahrung mit Abhol- und Lieferservices. F├╝r viele Kleinbetriebe stellte beispielsweise das Liefern und Abholen von Speisen und Getr├Ąnken jedoch komplettes Neuland dar.

Der Chef und Gr├╝nder der Hotelgruppe Motel One, Dieter M├╝ller, macht allerdings darauf aufmerksam, dass gr├Â├čere Unternehmen genauso an den Folgen der Corona-Krise zu leiden h├Ątten. Er kritisiert dabei die Coronahilfen der deutschen Bundesregierung. So galten die ├ťberbr├╝ckungshilfen bis zum vergangenen Herbst nur f├╝r kleine und mittlere Unternehmen. Auch die Novemberhilfen stellen eine Entt├Ąuschung f├╝r den Motel-One-Gr├╝nder dar. M├╝ller hat f├╝r die gesamte Gruppe mit 75 Hotels bislang 50.000 Euro als Abschlagszahlung erhalten. Gehofft hat er auf 25 Millionen Euro ÔÇô die Hilfen sind jedoch auf 1 Million Euro begrenzt. Was ihn aber besonders st├Ârt ist, dass der ├ľffentlichkeit weisgemacht wird, die gr├Â├čeren Unternehmen bekommen gro├čz├╝gige Zahlungen.

Zuversicht f├╝r 2021

Wie ich in diesem Artikel bis jetzt zeigen konnte, ist das Interesse an Investitionen gro├č ÔÇô und das trotz Corona-Krise. Das merkt man besonders daran, dass sich Experten in Bezug auf die Zukunft der Gastronomie und Hotellerie zuversichtlich zeigen. Bei der Online-Veranstaltung ÔÇ×NYU International Hospitality Industry Investment ConferenceÔÇť, die im November 2020 stattgefunden hat, waren sich die teilnehmenden F├╝hrungskr├Ąfte des Gastgewerbes ├╝ber eine positive Zukunft der Branche einig. So blickte etwa Arne Sorenson, CEO von Marriott International, dem Ganzen zuversichtlich entgegen, indem er meinte: ÔÇ×Bis Ende 2021 bin ich optimistisch, dass ein Gro├čteil davon hinter uns liegt und wir uns in Richtung Erholung bewegen werden.ÔÇť Mark Hoplamazian, CEO von Hyatt, stimmte dem zu und sagte, dass 2021 ein gro├čartiger Wendepunkt sein werde und ein enormes Ma├č an Hoffnung bieten werde.

Doch diese Zuversicht merkt man nicht nur an den optimistisch eingestimmten F├╝hrungskr├Ąften. Auch l├Ąsst sich das daran erkennen, dass zahlreiche Projekte inmitten der Corona-Krise aufgekommen sind. So stehen zum Beispiel die Er├Âffnung zwei neuer H├Ąuser und die Ausweitung der Projektpipeline f├╝r das Jahr 2021 auf der Agenda der Serviced-Apartment-Marke Stayery. Genauso sind auch Projekte geplant, bei denen Unternehmen in die Neugestaltung der eigenen H├Ąuser investieren. Die Hotelgruppe Falkensteiner etwa steckt 20 Millionen Euro in ihr Hotel in S├╝dtirol, das einer grundlegenden Neugestaltung unterzogen und mit einer Vielzahl an Attraktionen ausgestattet wird.


Mein Fazit: Optimismus f├╝r zuk├╝nftige Investitionen

Die Gastronomie und Hotellerie-Branche wird weiterhin noch einige Zeit mit den Herausforderungen der Corona-Krise zu k├Ąmpfen haben. Inmitten der Ungewissheit hat sich f├╝r Investoren jedoch eine gro├če Chance ergeben. Denn f├╝r viele ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um in Hotels oder Restaurants zu investieren. Vor allem in der Hotellerie-Branche zeigen sich Investoren optimistisch, was das Jahr 2021 anbelangt. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis sich das Gastgewerbe komplett erholt, besteht Optimismus und Zuversicht f├╝r unsere Branche.

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass uns noch einiges bevorstehen wird. Aber ich blicke dem Ganzen genauso mit Zuversicht entgegen. Die derzeitige Situation stellt f├╝r potenzielle Investitionen in der Gastronomie und Hotellerie auf jeden Fall eine interessante M├Âglichkeit dar, die es sich zu nutzen lohnt. Ich bin schon gespannt, welche Chancen sich f├╝r Investoren ergeben werden.

Herzlichst,
Ihr Thomas Primus

Thomas Primus

Thomas Primus

CEO & Co-Founder von FoodNotify

Der studierte Betriebswirt Thomas Primus mit gro├čer Leidenschaft f├╝r Lebensmittel, IT und Gamification kehrte 2013 der Finanzindustrie den R├╝cken. 2014 gr├╝ndete er mit 3 Partnern sein eigenes Unternehmen, FoodNotify. Das IT-Unternehmen entwickelt
eine unabh├Ąngige, digitale Warenwirtschafts- und Bestellplattform f├╝r die Gastronomie, Hotellerie und f├╝r Cateringbetriebe und gilt als Pionier bei der Digitalisierung der Lebensmittelbranche und von Lebensmitteldaten.