Stellen Sie sich vor: Für jede Aufgabe, die Sie in Ihrer Arbeit erfolgreich erledigen, erhalten Sie 50 Punkte. Wenn Sie 1000 Punkte erreicht haben, steht Ihnen ein freier Nachmittag zu. Und für jede weiteren 1000 Punkte bekommen Sie andere Preise. Klingt verlockend, nicht wahr?

Das soeben beschriebene Szenario kann mit dem Begriff Gamification zusammengefasst werden. Gamification – grob als „Spielifizierung“ eingedeutscht – hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Von der Fitnessbranche über Personalschulung bis zum Bildungswesen: In den verschiedensten Bereichen können Prozesse mit spielerischen Elementen ausgestaltet werden.

Aber wie genau funktioniert nun Gamification? Wie hängt der Begriff mit der Gastronomie zusammen? Und welche verschiedenen Einsatzmöglichkeiten gibt es? Dies zeige ich Ihnen in diesem Utopia Gastronomica Artikel.


Von Motivation bis Loyalität

Konkret wird unter Gamification der Prozess verstanden, spieltypische Elemente in spielfremde Umgebungen zu integrieren. Das Ziel ist es, bestimmte Aufgaben zu erledigen, um in Folge Belohnungen zu erhalten. Alltägliche Aktivitäten werden somit in Spiele umgewandelt, die die Motivation anregen und Spaß bereiten.

Bei Gamification werden alltägliche Aktivitäten in Spiele umgewandelt.

Gamification ist recht vielfältig und kann in verschiedenen Kontexten zum Einsatz kommen. Zum Beispiel gibt es spezielle Fitness-Apps oder Applikationen zum Sprachenlernen, bei denen der spielerische Ansatz im Mittelpunkt steht. Aber auch Unternehmen können von Gamification profitieren, wie etwa die Gastronomie-Branche. Hier kann der spielerische Ansatz in zweierlei Hinsicht eingesetzt werden: Einerseits, um Mitarbeiter:innen zu motivieren und andererseits, um Kundschaft zu gewinnen. Je nachdem, für welche Variante Sie sich entscheiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Gamification in Ihren Betrieb zu integrieren.

1. Highscores am Arbeitsplatz

Bevor Sie beginnen, Gamification in den Arbeitsplatz einzubauen, sollten Sie das Personal in die Idee miteinbeziehen und festlegen, welche Ziele damit erreicht werden sollen. Auch ist es wichtig, klarzustellen, dass Spaß und Motivation im Vordergrund stehen und keine Teilnahmepflicht erfordert wird. Haben Sie sämtliche Rahmenbedingungen geklärt, können Sie sich für eine Art entscheiden, um Gamification in den Arbeitsalltag einzugliedern.

Bestenlisten

Sie können Wettbewerbe organisieren, bei denen innerhalb eines definierten Zeitraums ein bestimmtes Gericht oder Getränk so oft wie möglich verkauft werden sollen. Ein fortlaufender Highscore, wie bei den klassischen Computerspielen, zeigt die Verkäufe der einzelnen Mitarbeiter:innen an. Diese Bestenliste kann zum Beispiel als physische Anzeigetafel in Ihrem Betrieb oder online sichtbar sein. Durch das öffentliche Zeigen der Ergebnisse kann das Personal noch mehr motiviert werden. Die Person, die am Ende des Wettbewerbs auf der Bestenliste ganz oben steht, bekommt einen Preis – beispielsweise einen Gutschein für ein Abendessen oder einen zusätzlich freien Nachmittag.

Veranstalten Sie einen Wettbewerb, um zu sehen, wer am meisten Getränke verkauft.

Genauso können Sie in Ihrem Betrieb gemeinsame Herausforderungen im Team organisieren. Überlegen Sie sich dafür ein Ziel, auf das Ihr Personal hinarbeiten soll. Zum Beispiel könnte Ihr Serviceteam versuchen, den Umsatz des Vormonats zu übertreffen. Oder Ihre Mitarbeiter:innen in der Küche hätten die gemeinsame Aufgabe, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Wenn das Team sein vorgegebenes Ziel erreicht, werden die Preise auf alle Beteiligten aufgeteilt. Dies regt nicht nur zur Motivation an, sondern fördert auch den Zusammenhalt in der Gruppe.

Bescheinigungen und Abzeichen

Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Gamification besteht darin, Abzeichen oder Bescheinigungen Ihrem Personal zu verleihen. Sie können diese vergeben, wenn Ihre Mitarbeiter:innen eine bestimmte Aufgabe erledigt oder ein Dienstjubiläum erreicht haben. Diese Art der Gamification motiviert Ihr Team und gibt ihm das Gefühl, dass es und die getätigte Arbeit geschätzt werden.

Egal für welche Methode Sie sich entscheiden: Der Einsatz von Gamification in der Gastronomie bietet auf Seite der Mitarbeiter:innen klare Vorteile. So wird das Personal durch die Möglichkeit motiviert, Belohnungen und Anerkennung für seine geleistete Arbeit zu erhalten. Ebenso unterstützt Gamification dabei, die Produktivität der Mitarbeiter:innen zu steigern, was sich wiederum positiv auf den Gewinn des Betriebes auswirken kann.

2. Treue wird belohnt

Ebenso ist es möglich, Gamification in Ihrem Unternehmen zu integrieren, um die Kundenbindung zu stärken. In diesem Zusammenhang sind vor allem zwei Arten zu nennen: das Sammeln von Punkten und das Erhalten von Stempeln auf einer Karte.

Spielerischer Ansatz in Gastro & Hotellerie

Stempelkarte

Eine Stempelkarte ist vermutlich das bekannteste Beispiel, wenn es darum geht, Gäste für ihre Treue zu belohnen. Das Prinzip dahinter ist einfach: Für jedes Gericht oder Getränk, das eine Person bei Ihnen konsumiert, bekommt sie einen Stempel auf einer Karte. Wenn sie 10 Stempel erhalten hat, ist das nächste Gericht oder Getränk kostenlos. Diese Art der Gamification motiviert Ihre Kundschaft, weiterhin in Ihr Restaurant zu kommen und so Belohnungen zu erhalten.

Punktesystem

Sie können aber auch den Gamification-Ansatz auf das nächste Level bringen, indem Sie ein Punktesystem einführen. So können Ihre Gäste Punkte sammeln und diese dann für Prämien eintauschen. Beispielsweise können Sie als Sammelrate festlegen: 1 Euro = 1 Punkt. Sobald jemand 200 Punkte gesammelt hat, bekommt die Person als Prämie 10 Prozent auf die nächste Bestellung.

Hinsichtlich der kundenbezogenen Vorteile von Gamification sind Förderung der Loyalität, Aufbau der Markenbekanntheit sowie Steigerung des Engagements zu nennen. Denn die Einführung eines Treueprogramms in Form von Stempelkarten oder einem Punktesystem bietet die Möglichkeit, einen bleibenden Eindruck bei Ihrer Kundschaft zu hinterlassen und so eine Bindung zu ihr aufzubauen.


Auf die richtigen Tools kommt es an

Wenn Sie Gamification in Ihren Betrieb integrieren wollen, benötigen Sie dafür die richtigen Tools. Für den Einsatz am Arbeitsplatz können Sie auf moderne Kassensysteme zurückgreifen, die verschiedene Auswertungsmöglichkeiten anbieten. So sehen Sie, wie häufig ein:e Mitarbeiter:in ein bestimmtes Gericht verkauft hat oder wie viel Umsatz das Team gemeinsam erreicht hat. Es gibt mittlerweile aber auch spezielle Software-Lösungen, die sich auf Datenanalyse in der Gastronomie spezialisieren und so noch aussagekräftigere Erkenntnisse liefern.

Um Gamification in der Gastronomie für Gäste umzusetzen, werden ebenfalls spezielle Tools erfordert. Selbstverständlich ist es möglich, auf die klassische Stempelkarte im Papierformat zurückzugreifen. Doch durch das digitale Zeitalter haben sich neue Wege eröffnet, ein Treueprogramm in den Betrieb zu integrieren. Viele Unternehmen setzen daher auf Apps für die Umsetzung von Gamification. Wie Hotels und Restaurants das verwirklichen, zeige ich Ihnen an ein paar Beispielen.

Ist Gamification auch etwas für Ihren Betrieb?

#1 Starbucks

Das Treueprogramm von Starbucks, Starbucks Rewards, ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Beispiele für Gamification in der Gastronomie. Für jeden ausgegebenen Euro sammeln die Gäste 3 Sterne – stellvertretend für Punkte in der Starbucks-Welt. Zudem gibt es verschiedene Stufen, die vom Grad der Kundentreue abhängen. Je höher die Stufe ist, desto mehr Vorteile sind erhältlich: zum Beispiel Geburtstagsfreigetränk oder kostenloses Nachfüllen.

Starbucks nutzt das Konzept der Gamification, um das Gästeerlebnis zu verbessern und damit auch den Umsatz zu steigern. So waren in den USA im ersten Quartal des Jahres 2021 die Mitglieder von Starbucks Rewards für 50 Prozent des Umsatzes verantwortlich.

#2 Accor Hotels

Der Hotelkonzern Accor hat, ähnlich wie Starbucks, ein punktebasiertes Bonusprogramm ins Leben gerufen. Dieses beinhaltet fünf verschiedene Stufen: Classic, Silver, Gold, Platinum und Diamond. Bei jedem Aufenthalt in einem der zur Accor-Marke gehörenden Hotels, bei einem Besuch in den teilnehmenden Restaurants oder einem Einkauf in den teilnehmenden Online-Shops können Gäste Punkte sammeln und diese dann für Prämien einlösen. In der Accor App ist der aktuelle Status im Bonusprogramm stets einsehbar.

#3 Chipotle

Die US-amerikanische Restaurantkette nutzte bereits 2013 den Gamification-Ansatz, um die ethische Beschaffung von Lebensmitteln auf eine unterhaltsame Weise zu fördern. Dafür erstellte das Unternehmen einen animierten Kurzfilm mit dem Namen „The Scarecrow“, zu dem es im Anschluss eine gleichnamige Spiele-App entwickelte. In dieser lernten Nutzer:innen mehr zum Thema Tierhaltung und Produktionsbedingungen, während sie Belohnungen sammelten, die sie später in einer Chipotle-Filiale einlösen konnten.

Im Juni 2021 setzte Chipotle erneut auf Gamification. Dieses Mal stellte das Unternehmen ein Rennspiel vor, bei dem die zehn besten Spieler:innen Preise gewinnen konnten. Mit diesem Wettbewerb wollte Chipotle auf ein Update des eigenen Treueprogramms, Chipotle Rewards, aufmerksam machen.

Chipotle hat mit diesen beiden Beispielen gezeigt, dass es nicht immer nur klassische Stempelkarten oder ein Punktesystem sein müssen. So wurde die Restaurantkette nach der Aktion „The Scarecrow“ die führende Fast-Food-Marke in den USA und gewann im Jahr 2014 für die Kampagne den Cannes Lions Award im PR-Wettbewerb. Und bereits vor dem Start des auf einem Rennspiel basierten Wettbewerbs hatte das Treueprogramm 21 Millionen Mitglieder. Auch wenn dazu noch kein Endergebnis bekannt ist, wird vermutet, dass die Aktion einen erfolgreichen Beitrag im Zusammenhang mit Gamification leisten wird.

#4 Mochi

Aber auch Betriebe, die nicht große Ketten sind, nutzen den Gamification-Ansatz. So zum Beispiel das Designerlokal Mochi in Wien, das eine eigene App entwickelt hat. Mit dieser können Gäste nun bei jedem Einkauf Mochi Points sammeln und von besonderen Angeboten, wie Geburtstagsüberraschungen, profitieren.


Gamification in der Gastronomie wird bleiben

Mithilfe von Gamification können Sie in Ihrem Unternehmen einerseits Mitarbeiter:innen motivieren und andererseits neue Gäste gewinnen. Dazu werden spieltypische Elemente genutzt, wie das Sammeln von Punkten oder das Erhalten von Belohnungen nach dem Absolvieren von Aufgaben, und in den Betrieb integriert. Für die Umsetzung können Sie auf moderne Kassensysteme, spezielle Software-Lösungen oder Apps zurückgreifen.

Auch wenn Gastronomie- und Hotellerie-Unternehmen den Gamification-Ansatz bereits verfolgen, wird sich dieser Bereich in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln. Technologische Innovationen und Möglichkeiten werden ansteigen, was neue Formen von Gamification zur Folge haben wird. Für Entscheider:innen der Gastro-Branche bedeutet dies, sich schon jetzt aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und den Möglichkeiten von Gamification offen gegenüberzustehen. Denn so gelingt es ihnen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und mit neuartigen Ideen für Begeisterung zu sorgen.

In diesem Sinne: Mögen die Spiele beginnen.

Herzlichst,
Ihr Thomas Primus

Thomas Primus

Thomas Primus

CEO & Co-Founder von FoodNotify

Der studierte Betriebswirt Thomas Primus mit großer Leidenschaft für Lebensmittel, IT und Gamification kehrte 2013 der Finanzindustrie den Rücken. 2014 gründete er mit 3 Partnern sein eigenes Unternehmen, FoodNotify. Das IT-Unternehmen entwickelt
eine unabhängige, digitale Warenwirtschafts- und Bestellplattform für die Gastronomie, Hotellerie und für Cateringbetriebe und gilt als Pionier bei der Digitalisierung der Lebensmittelbranche und von Lebensmitteldaten.