Warenwirtschaftssystem wählen in der Gastronomie: Leitfaden mit 10 Kriterien

Warenwirtschaftssystem für die Gastronomie auswählen: drei Fragen vor der Demo, zehn Kriterien von Artikelstamm bis Kassenabnahme, Auswahlprozess in fünf Schritten und die häufigsten Fehler. Für Betriebe mit mehreren Standorten.

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Die meisten Auswahlverfahren für ein Warenwirtschaftssystem beginnen mit einer Funktionsliste und enden mit einer Demo, in der alles gut aussieht. Sechs Monate später stellt sich heraus, dass die Kasse nicht sauber angebunden ist, die Lieferanten ihre Preise nicht liefern und die Standorte weiter mit Excel arbeiten. Das Problem liegt selten am System, sondern an der Reihenfolge der Fragen.

Dieser Leitfaden beschreibt, wie ein Gastronomiebetrieb mit mehreren Standorten ein Warenwirtschaftssystem auswählt: welche Fragen vor der ersten Demo geklärt sein müssen, welche zehn Kriterien zählen, wie ein Pilot abgenommen wird und welche Fehler wir in Auswahlverfahren am häufigsten sehen. Wir bauen selbst ein Warenwirtschaftssystem, deshalb sagen wir an den Stellen, an denen es zutrifft, auch, wann ein anderes System besser passt.

Vor der Auswahl: drei Fragen an den eigenen Betrieb

Wie viele Standorte, wie viel Umsatz je Standort? Ein Warenwirtschaftssystem lohnt sich ab etwa einem Standort mit rund einer Million Euro Jahresumsatz. Darunter ist eine Inventur-App meist ausreichend. Den größten Effekt hat es bei mehreren Standorten, weil die Zentrale alle Häuser in denselben Zahlen vergleichen kann.

Welche Kasse, welche Lieferanten? Schreiben Sie beides auf, bevor Sie mit Anbietern sprechen: das Kassensystem je Standort und die zwanzig wichtigsten Lieferanten mit Anteil am Einkaufsvolumen. Die Antwort auf „Ist meine Kasse angebunden, sind meine Lieferanten im System?“ entscheidet mehr als jede Funktionsliste.

Was soll sich messbar ändern? Wareneinsatz senken, Bestellzeit reduzieren, Inventur verkürzen, Kennzeichnung absichern. Ein Ziel mit Zahl reicht: zum Beispiel Wareneinsatz je Standort um zwei Prozentpunkte innerhalb von sechs Monaten nach Rollout.

Zehn Kriterien für die Auswahl

  1. Zentraler Artikelstamm. Ein Artikel existiert genau einmal für die Gruppe, mit GTIN oder Lieferantennummer. Systeme, in denen jeder Standort Artikel frei anlegt, liefern keine vergleichbaren Zahlen. L'Osteria hat aus genau diesem Grund das System gewechselt.
  2. Lieferantendaten direkt. Kataloge, Preise und Bestellbestätigungen kommen vom Lieferanten ins System, nicht von Hand. Fragen Sie nach der Liste der angebundenen Lieferanten und gleichen Sie sie mit Ihren zwanzig wichtigsten ab. Bei FoodNotify sind es über 1.000, davon 126 per Schnittstelle.
  3. Kassenanbindung mit Abnahme. Nicht „wir haben eine Schnittstelle“, sondern: Wer richtet sie ein, wann wird sie abgenommen, und was passiert bei Standorten mit anderer Kasse? Bestehen Sie darauf, dass die Kassenabnahme Teil des Pilots ist, bevor weitere Standorte verrechnet werden.
  4. Soll-Ist-Wareneinsatz je Standort. Aus Rezepturen und Kassendaten der theoretische, aus Warenannahme, Umbuchungen und Inventur der tatsächliche Wareneinsatz, je Standort und je Warengruppe. Das ist der Hebel, der Geld bringt; alles andere ist Verwaltung.
  5. Belegerkennung. Rechnungen und Lieferscheine werden fotografiert oder hochgeladen, das System schlägt den Wareneingang vor und markiert Abweichungen zur Bestellung und zum Katalogpreis. Ohne das bleibt die Warenannahme Handarbeit, und Handarbeit wird weggelassen.
  6. Inventur per App. Barcode, Teilmengen, mehrere Lager je Standort, selektive Zwischeninventuren für teure Warengruppen. Bei a&o Hostels hat das die Inventurzeit halbiert.
  7. Rezepte mit Allergenen und Nährwerten. Am Artikel geführt, im Rezept hochgerechnet. Für Gemeinschaftsverpflegung Pflicht, für Ketten die Grundlage für Speisekarten und Lieferplattformen.
  8. Kostenstellen und Umbuchungen. Hotels brauchen Outlets als Kostenstellen; Ketten brauchen Umbuchungen zwischen Standorten und Zentrallager. Fragen Sie, wie eine Umbuchung im System aussieht, nicht ob es sie gibt.
  9. Einführung mit fester Ansprechperson. Wer spielt die Kataloge ein, wer trainiert Küche, Einkauf und Zentrale getrennt, wie lange dauert es bei fünf Standorten? Eine belastbare Antwort ist eine Zahl in Wochen mit einem Ablauf in Phasen.
  10. Offene Schnittstelle und Ausstieg. Eine API, über die Daten dorthin gehen, wo Sie sie brauchen, und ein Export aller Daten bei Vertragsende. Was nicht exportierbar ist, gehört Ihnen nicht.

Was ein Warenwirtschaftssystem nicht sein muss

Kasse, Personalplanung und Buchhaltung sind eigene Systeme mit eigenen Spezialisten. Ein Anbieter, der alles verspricht, ist in jedem Teil Mittelmaß. Prüfen Sie stattdessen die Schnittstellen zu den Systemen, die Sie behalten wollen. FoodNotify ist bewusst keine Kasse, kein PMS und keine Buchhaltung; HACCP ist aktuell nicht enthalten.

Wann welcher Anbietertyp passt

  • Ein Standort, schnell zählen, kein Einführungsprojekt: eine Inventur-App wie BarBrain.
  • Ein Standort, Kasse und Bestandsführung aus einer Hand: ein Kassenanbieter mit Warenwirtschaftsmodul wie Gastronovi.
  • Mehrere Standorte im deutschsprachigen Raum, Artikeldaten direkt vom Lieferanten: FoodNotify.
  • Franchise oder Systemgastronomie mit zentraler Rezeptsteuerung: FoodNotify.
  • Hotelgruppe mit mehreren Outlets und Auswertung über die Gruppe: FoodNotify.
  • Gemeinschaftsverpflegung mit Schwerpunkt Produktionsplanung einer Zentralküche: ein spezialisierter GV-Anbieter.
  • Schwerpunkt USA oder amerikanisches Kassensystem: MarketMan. Schwerpunkt Benelux: Apicbase.

Ein ausführlicher Vergleich mit Bewertungstabelle steht im Beitrag 6 beste Warenwirtschaftssysteme für die Gastronomie 2026.

Der Auswahlprozess in fünf Schritten

  1. Anforderungen auf eine Seite. Standorte, Umsatz, Kassen, zwanzig Lieferanten, ein Ziel mit Zahl. Diese Seite geht an jeden Anbieter vor der Demo.
  2. Shortlist mit zwei bis drei Systemen. Aussortieren, was Kasse oder Lieferanten nicht abdeckt. Das spart die meisten Demos.
  3. Demo mit Ihren Daten. Lassen Sie den Anbieter drei Ihrer Rezepte, zwei Ihrer Lieferanten und einen Monat Kassendaten zeigen, nicht das Beispielrestaurant.
  4. Pilot mit Abnahmekriterien. Ein Standort, vier bis sechs Wochen, Abnahme nur, wenn Kassendaten stimmen und der Soll-Ist-Vergleich plausibel ist. Weitere Standorte werden erst danach verrechnet.
  5. Rollout mit denselben Vorlagen. Rechte, Kostenstellen, Rezepte und Bestelllisten aus dem Pilot werden kopiert, nicht neu gebaut.

Die häufigsten Fehler in Auswahlverfahren

Die Funktionsliste ist länger als die Anforderungsliste. Die Kasse wird erst nach Vertragsabschluss geprüft. Die Lieferanten werden nicht gefragt, ob sie Daten liefern. Der Pilot läuft ohne Abnahmekriterien und wird trotzdem ausgerollt. Und: Der Preis wird je Nutzer verglichen, obwohl in einer Kette dutzende Personen mit dem System arbeiten sollen; fragen Sie nach dem Preis je Standort ohne Nutzerbeschränkung.

Was das kostet und was es bringt

FoodNotify Starter beginnt bei 174,90 Euro je Standort und Monat, Pro und Enterprise sind individuell, ohne Beschränkung der Nutzerzahl. Was das je Jahr rechnerisch bringt, lässt sich mit den eigenen Zahlen durchspielen: Wareneinsatz-Rechner. Die Annahmen stehen offen dabei.

FAQ zur Auswahl eines Warenwirtschaftssystems

Ab wann lohnt sich ein Warenwirtschaftssystem in der Gastronomie?

Ab etwa einem Standort mit rund einer Million Euro Jahresumsatz. Den größten Effekt hat es bei mehreren Standorten, weil die Zentrale alle Häuser vergleichen kann.

Was ist wichtiger: Funktionen oder Schnittstellen?

Schnittstellen. Kasse und Lieferanten entscheiden, ob die Zahlen stimmen. Funktionen ohne Daten sind Verwaltung.

Wie lange dauert die Einführung?

Bei FoodNotify vier bis sechs Wochen bei fünf Standorten: Kick-off, Artikelstamm durch FoodNotify, Trainings je Rolle, Pilot mit Kassenabnahme, Rollout.

Sollten wir nach Nutzern oder nach Standorten zahlen?

Nach Standorten. In einer Kette arbeiten Küche, Einkauf und Zentrale mit dem System; eine Nutzerbeschränkung führt dazu, dass Zugänge geteilt werden und die Nachvollziehbarkeit verloren geht.

Was passiert mit unseren Daten bei einem Wechsel?

Klären Sie vor Vertragsabschluss, dass alle Daten exportierbar sind: Artikel, Rezepte, Bewegungen, Inventuren. Was nicht exportierbar ist, gehört dem Anbieter.

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