Weiter geht unsere Serie über die 14 Hauptallergene. Über die kennzeichnungspflichtigen Stoffe, die für die meisten Lebensmittelallergien verantwortlich sind. Nach dem ersten Streich „Glutenhaltiges Getreide“ folgt also der Zweite: Krebstiere und daraus gewonnene Erzeugnisse.

Verdächtiger Nr. 2: Krebstiere und daraus gewonnene Erzeugnisse

Nach dem „B“ auf der Speisekarte Ausschau halten. Das machen seit Ende 2014 Menschen, die auf Krebstiere und deren Erzeugnisse allergisch reagieren. Also auf Garnelen, Langusten, Hummer, oder Krebse – auch gemeinhin bekannt als Krustentiere. Oder auf Erzeugnisse besagter Lebewesen, wie beispielsweise Würzsaucen, Fischfonds oder Ähnlichem.

Was gekennzeichnet wird!

Ein „B“ bekommen also Meeresfrüchte, werden Sie vielleicht denken! So einfach ist es leider nicht. Die Allergenkennzeichnung nach der LMIV sieht eine weitaus differenzierte Benennung der Allergene vor. Da gibt es für sämtliche essbare Lebewesen aus dem Meer unterschiedliche Buchstaben. Da gibt es ein „R“, ein „B“ und schlussendlich ein „D“.

Weil Meeresfrucht nicht Meeresfrucht ist – und schon gar nicht „seafood“.

Was also nehmen? Für den deutschsprachigen Raum gibt es eine gute Nachricht: Da in der deutschen Sprache bereits zwischen Fischen und Meeresfrüchten unterschieden wird, tun wir uns leichter. Denn der Buchstabe „D“ soll alle Fische kennzeichnen, weswegen für Meeresfrüchte nur noch „B“ und „R“ bleibt. Im Gegensatz zum englischen Sprachraum, bei dem unter „seafood“ alle essbaren Tiere, die im Meer schwimmen, subsummiert werden.

Zusätzlich werden die Meeresfrüchte nach der Allergenkennzeichnung auch in Weichtiere und Krebstiere eingeteilt und mit einem jeweils anderen Buchstaben versehen. Krebstiere, also beispielsweise Hummer, Krebse, Langusten oder Shrimps, werden mit „B“ gekennzeichnet. Muscheln, Tintenfisch, Austern und Schnecken zählen zu den Weichtieren und erhalten ein „R“.

Wo kommt das Allergen „B“ vor?

Damit es etwas einfacher wird eine Liste mit Meeresfrüchten, die zur Kategorie „Krebstiere“ zählen:

  • Krebs
  • Shrimps
  • Garnelen
  • Langusten
  • Hummer
  • Scampi
  • Crevetten
  • Fluss- und Taschenkrebse
  • Krabben
  • Krill
  • Seespinne

Welche Lebensmittel mit dem Buchstaben „B“ zu kennzeichnen sind!

Die Bezeichnung „Krebstiere und daraus gewonnene Erzeugnisse“ beantwortet eigentlich schon die Frage. Ganz klar also Lebensmittel, welche die oben genannten Krustentieren beinhalten. Aber natürlich auch, wenn Sie daraus gewonnene Erzeugnisse verwenden. Vorsicht ist besonders bei asiatischen Gewürzmischungen und Pasten geboten! Hier werden oft Erzeugnisse von Krebstieren verwendet!

Beispiele:
Shrimps-Paste und andere asiatische Würzpasten, Feinkostsalate, Suppen, Saucen, Paella, Bouillabaisse, Sashimi, Surimi, Krebsbutter, Kroepoek

Nicht oft, aber auch nicht ohne! Verbreitung und Intensität 

Grundsätzlich gehören Allergien auf Meeresfrüchte inklusive Krebstieren und daraus gewonnenen Erzeugnissen zu den eher seltenen Nahrungsmittelallergenen. Grundsätzlich.

Denn einerseits spielt hier auch der Herkunftsort eine Rolle:

Je mehr von Krebstieren gegessen wird, desto häufiger treten Allergien auf. Auch berufsbedingt können Unverträglichkeiten entwickelt werden. Ein Hummerkoch kann im Laufe seines Berufslebens vom ständigen Umgang mit Hummern Allergien entwickeln. Ein Spanier oder eine Spanierin, die bedingt durch ihren Wohnsitz öfter Krebstiere isst, ebenfalls.
Was die logische Konsequenz nach sich zieht, dass an Küstengebieten Allergien auf Krebstiere häufiger vorkommen als in Binnenländern. Schwimmen die schmackhaften Lebensmittel ja quasi direkt vor der Haustüre und werden dementsprechend viele verzehrt und verkocht. So kommt es, dass beispielsweise auf den Kanarischen Inseln die Allergie auf Krebstiere zu den häufigsten Allergien gehört, während diese in Österreich kaum eine Rolle spielt. Hier sind vor allem Menschen gefährdet, die beruflich oder hobbymäßig mit Fischfuttermischungen zu tun haben (Aquarienbesitzer, Angler, Besitzer von Fischteichen, Berufsfischer).

Andererseits kommt es auch auf die Relation an. Denn im Anbetracht zum geringen Verzehr der Krebstiere ist auch die Allergierate hoch.

So leiden die Betroffenen:

Die Intensität der Krebsallergie

Die Allergie auf Krebstiere zählt zwar zu den eher seltenen (zumindest in Österreich und Deutschland), allerdings sind die Allergieauslöser sehr aggressiv. 1-2 Garnelen können lebensbedrohliche Reaktionen hervorrufen. Auch das Einatmen der Kochdämpfe kann ausreichen, um Beschwerden auszulösen. Dabei treten die allergischen Beschwerden meist unmittelbar nach dem Verzehr auf. Grund für diese Intensität oder Aggressivität ist der Hauptallergenstoff Tropomyosin. Dieser ist hitzebeständig, wird also durch die Zubereitung bzw. durch Kochen nicht vermindert, wie das bei anderen Allergenen der Fall ist.

Kreuzallergien

Erschwerend kommt hinzu, dass mit einer Allergie auf Krebstiere häufig Kreuzallergien auftreten. Was bedeutet, dass Menschen, die unter dieser Allergie leiden, eine weitere Unverträglichkeit oder Allergie entwickeln können. Vor allem auf Austern, Schnecken, Muscheln, aber auch Insekten oder Hausstaubmilben. Auch innerhalb der Gattung der Krebstiere können Kreuzallergien auftreten: Eine Krebsallergie kann also auch eine Allergie auf Hummer oder Krabben auslösen.

Das geht übrigens auch in die umgekehrte Richtung. Menschen, die unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden, können eine Kreuzreaktion bei Krebstieren entwickeln.

In Zusammenhang mit dem Allergen „B“ ist also zu beachten:

  • Meeresfrucht ist nicht Meeresfrucht. Bei der Allergenkennzeichnung wird zwischen Weichtiere und Krebstiere unterschieden.
  • Vorsicht vor allem bei asiatischen Würzsaucen oder Pasten. Hier werden oft Erzeugnisse aus Krebstieren verwendet.
  • Die Allergie tritt besonders häufig in Küstengebieten auf, kann aber auch in Binnenländern vorkommen. Da die Allergie sehr aggressiv ist, leiden Betroffene schnell unter starken Beschwerden. Eine Garnele oder das Einatmen der Kochdämpfe kann dabei schon ausreichen.
  • Auch eine Hausstaubmilben- oder Insektenallergie kann eine Kreuzreaktion auf Krebstiere auslösen. Umgekehrt können Krebstiere zu Unverträglichkeiten von Weichtieren (Muscheln, Austern, Tintenfische) führen.