„Eine Allergie auf Sojabohnen betrifft doch nur Veganer!“ Eine Aussage, die plausibel klingt. Immerhin hält Soja oft als völlig pflanzlicher Fleischersatz her und wird daher besonders häufig von Vegetariern und Veganern konsumiert. Doch handelt es sich bei der Allergie auf Sojabohnen und daraus gewonnener Erzeugnissen („F“) tatsächlich um eine Lifestyle-Allergie, die nur bestimmte Ernährungsweisen betrifft?

Die Sojabohne: Die wichtigste Hülsenfrucht der Welt

Die Sojabohne ist eine Öl- und Nutzpflanze, die vor allem mit ihrem hohen Eiweißgehalt (rund 39%) und Ölgehalt (rund 17%) punktet. Dazu ist Soja leicht anzubauen und somit das billigste Protein. Die Sojabohne wird zur Herstellung von Sojaöl genützt, als Futtermittel eingesetzt, oder auch als proteinreiches Lebensmittel in Form von Tofu oder Sojamilch verwendet. Wir Menschen verzehren vor allem die frischen grünen Hülsen oder verschiedene daraus gewonnene Eiweißprodukte (Stichworte Tofu und Sojasauce).

Kein Wunder also, dass sich die Hülsenfrucht am Speiseplan durchsetzen konnte und heute sogar als Grundnahrungsmittel gilt. Sei es in der fleischlosen Ernährung oder in der Lebensmittelindustrie. Bestandteile von Soja sind beispielsweise als Emulgator, Fleischersatz oder Öl in rund 20.000 Nahrungsmitteln enthalten. In den USA stellt Sojaöl mehr als 75% der Gesamtnutzung an pflanzlichen Fetten und Ölen dar und wird bei 80% der Margarineproduktion verwendet.

Folgende Produkte sind mit einem „F“ zu kennzeichnen

Sojabohnen und daraus gewonnene Erzeugnisse, außer

  • vollständig raffiniertes Sojabohnenöl und -fett
  • natürliche gemischte Tocopherole (E306), natürliches D-alpha-Tocopherol, natürliches D-alpha-Tocopherolacetat, natürliches D-alpha-Tocopherolsukzinat aus Sojabohnenquellen
  • aus pflanzlichen Ölen gewonnene Phytosterine und Phytosterinester aus Sojabohnenquellen
  • aus Pflanzenölsterinen gewonnene Phytostanolester aus Sojabohnenquellen

Folgende Erzeugnisse können ebenfalls Soja enthalten:

Bspw.: Sojabohnen, -drink, -milch, -joghurt, -flocken, -mehl, -öl, -paste, -sauce, Miso, Tofu, E 322 Lecithin (Soja), Brot, Kuchen, Feinkostsalate, Margarine, Schokoladencreme, vegetarische Brotaufstriche, Müsli, Kaugummi, Saucen, Dressings, Marinaden, Mayonnaise, Ketchup, Eis, Milchersatzprodukte, Sportlernahrung, Diätdrinks, Fertiggerichte, Würzmischungen und -saucen (z.B.: Soja, Teriyaki, Worcester), Wurstwaren
Eine detailliertere Liste finden Sie auf unserer Seite „Die 14 Hauptallergene

Eine Lifestyle-Allergie auf dem Vormarsch?

Immer öfter entdeckt man sie im Supermarkt oder in Kaffeehäusern: Produkte aus Soja. Da reiht sich neben dem Frucht- und Naturjoghurt seit einigen Jahren auch ein Sojajoghurt, neben der klassischen Melange gibt es einen Caffè Latte mit Sojamilch und klassische Fleischprodukte werden am Grill durch Tofuwürstchen ersetzt.

Parallel dazu steigt die Zahl der Soja-Allergiker.

In den letzten Jahren hat Soja als Allergieauslöser an Bedeutung gewonnen heißt es im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Aber hängt dies tatsächlich mit einem vermehrten Sojakonsum zusammen? Betrifft die Allergie tatsächlich nur jene, die sich bewusst ohne tierische Produkte ernähren?

Ja und nein! Denn der Vormarsch der Allergie auf Sojabohnen hat verschiedene Ursachen:

  • Zunehmende Konsumation: Soja gilt als besonders gesund und dessen Verzehr wird empfohlen. Somit steigt auch dessen Konsumation, egal ob Veganer oder nicht. Erst durch den Verzehr von größeren Mengen an Soja merken die Betroffenen, dass sie unter einer Sojaallergie leiden.
  • Bedeutung von Soja als alternatives Lebensmittel: Soja ist ein beliebtes Fleischersatzprodukt und wird in größeren Mengen von Veganern und Vegetariern verzehrt.
  • Grundnahrungsmittel: Nicht nur Veganer und Vegetarier essen Soja, sondern wir alle. Mindestens 1-2 Gramm nimmt jeder Mensch zu sich. Gerade der Verzehr der verarbeiteten Sojapflanze führt zu einem Anstieg von Unverträglichkeiten gegenüber Bestandteilen der Pflanze. Wenn Sie einen kurzen Blick auf die lange Liste der Produkte, die Soja enthalten können, werfen, wird schnell klar, warum der Verzehr oft unbewusst passiert.

Die 3 Typen der Sojaallergie

Grundsätzlich lässt sich die Art der Allergie in drei Gruppen einteilen. Der Unterschied liegt einerseits im Sensibilisierungsweg – also der Art, wie der Körper erstmals in Kontakt mit den allergieauslösenden Eiweißen kommt – und den Symptomen.

  • Die „klassische“ Sojaallergie

Durch den Verzehr von Sojaprodukten entsteht eine Sensibilisierung (allergische Reaktion). Diese Art der Allergie ist eher bei Kindern als Erwachsenen verbreitet. Sie wird häufig bei Säuglingen beobachtet, die wegen einer Kuhmilchallergie alternativ mit Soja-Drinks ernährt wurden. Die klassische Sojaallergie ist die seltenste Form, jedoch jene mit den schwersten Symptomen. Das Allergen wird nicht durch Erhitzen zerstört.

  • Die „Birkenpollen-assoziierte“ Sojaallergie

Viele Menschen, die auf frühblühende Bäume (bspw. Birke, Erle oder Hasel) allergisch sind, sind auch von einer Sojaallergie betroffen. Die Sensibilisierung findet durch das Einatmen der Pollen statt. Da bestimmte Polleneiweiße, v.a. das Hauptbirkenpollenallergen, in ihrer Struktur einem wichtigen Sojaallergen ähnlich sind, entwickeln viele Betroffene auch allergieauslösende Antikörper. Es kommt zu einer Kreuzreaktion und zu Beschwerden nach dem Verzehr von Sojaprodukten.
Dieser Typ ist die häufigste Form der Sojaallergie und entsteht meistens im Jugend- und/oder Erwachsenenalter. Obwohl keine exakten Daten existieren, reichen die Schätzungen für Deutschland auf min. 17% der Erwachsenen. Das Schwierige: Viele Menschen mit Birkenpollenallergie (in Deutschland rund 30-50%) wissen nicht, dass sie auf Sojaprodukte allergisch reagieren. Möglicherweise tragen sie das „Potential“ einer Sojaallergie in sich, haben jedoch noch nicht ausreichend eiweißreiche Sojaprodukte konsumiert, um davon etwas zu merken. Durch die ansteigende Promotion von Sojaprodukten steigt auch hier der Anteil der Betroffenen. Bei dieser Art der Allergie können die auslösenden Allergene durch Verarbeitung bzw. Erhitzen der Produkte zerstört werden.

  • Die Inhalationsallergie

Einige Male ist Ihnen diese Art der Sensibilisierung bereits bei anderen Hauptallergenen unterkommen (Krebstiere, Fisch, Erdnüsse). Gemeint ist hier die Sensibilisierung über die Atemwege, also in diesem Fall durch Einatmen von großer Mengen Soja-Hüllproteinen. Vor allem Angestellte in der Lebensmittelindustrie können beim Verladen oder Verarbeiten von Sojabohnen Staub einatmen, der zu allergischen Schnupfen oder Asthma führt.

Der Einfluss von Menge und Verarbeitung

Erhitzt, verarbeitet, eiweißarm oder eiweißreich.Schon bei den unterschiedlichen Allergietypen ist es ein wenig durchgeklungen: Betroffene der pollenassoziierten Sojaallergie reagieren anders auf Sojaprodukte, als Betroffene einer klassischen Allergie.

Verarbeitung

Grundsätzlich werden Sojaprodukte unterschiedlich verarbeitet und dies beeinflusst den Allergengehalt. Eiweißarme oder –freie Sojaölprodukte werden in der Regel von Sojaallergikern gut vertragen, während besonders eiweißreiche, gering verarbeitete, Produkte ein größeres Risiko darstellen. Warum? Das pollenassoziierte Sojaallergen wird durch Hitze zerstört und so von dieser Gruppe von Allergikern besser vertragen. Bislang unklar ist allerdings wie lange das Allergen erhitzt werden muss, um es zu zerstören. Andere Allergene auf die bspw. klassische Sojaallergiker reagieren, sind wiederum hitzestabil und somit durch Erhitzen nicht zu zerstören.

Menge

Je mehr Sojaallergen konsumiert wird, desto schlimmer kann die Reaktion ausfallen. Dies gilt hauptsächlich für eiweißreiche Sojaprodukte. Gefährlich ist die Sojaallergie also vor allem, wenn die Betroffenen noch nicht wissen, dass sie an einer Unverträglichkeit leiden. Denn ein Becher Sojadrink oder Sojajoghurt ist schnell getrunken oder gelöffelt und die Symptome vielleicht erst bemerkt, wenn bereits 100ml konsumiert wurden. Übrigens: Vor allem in der Pollenflugsaison können einige Menschen besonders auf Sojaprodukte reagieren, da das Immunsystem bereits aktiviert ist.

Kreuzallergien und Risikogruppen

Was die unterschiedlichen Typen der Sojaallergie – vor allem Typ 2 – auch zeigen? Es kann zu Kreuzreaktionen kommen:

  • Mit anderen Hülsenfrüchten (inklusive Erdnüssen)
  • Mit Birkenpollenallergie (samt Kreuzreaktionen auf Steinobst)
  • Mit Kuhmilchprodukten und Laktoseintoleranz

Was Sie über die Allergie auf Sojabohnen wissen sollten:

  • Je mehr Sojaprodukte konsumiert werden, desto stärker werden die allergischen Reaktionen
  • Bei Birkenpollen-assoziierter Sojaallergie können die Symptome in der Pollensaison stärker ausfallen als sonst.
  • Bei Birkenpollen-assoziierter Sojaallergie sollten kaum oder gering prozessierte Sojaprodukte vermieden werden, erhitzte und prozessierte Produkte stellen wahrscheinlich keine Gefährdung dar.
  • Bei der klassischen Sojaallergie sind auch bei stark prozessierten Sojaprodukten Reaktionen zu erwarten. Sojaprodukte sollten gänzlich vermieden werden.